Informationen zum Fahrzeug


Eine Reihe von Autoherstellern und Start-Ups arbeitet derzeit an automatisierten Fahrzeugen für den öffentlichen Personennahverkehr, die sowohl für Linien- als auch für den Bedarfsverkehr konzipiert sind. Allerdings befinden sich viele im Entwicklungsstadium und nur wenige Hersteller können bereits einsatzreife Produkte liefern. Im Rahmen des Vergabeprozesses zur Fahrzeugbeschaffung wurde der französische Hersteller EasyMile, als einer der Marktführer, für eine Zusammenarbeit ausgewählt. Das Unternehmen mit Sitz in Toulouse stellte im Jahr 2015 sein Modell „EZ10“ vor. Inzwischen sind weltweit über 100 Fahrzeuge im Einsatz. In Wusterhausen wird die weiterentwickelte Generation 2 des EZ10 eingesetzt.
Der automatisiert fahrende Kleinbus mit Elektroantrieb bietet Sitzplätze für fünf Fahrgäste und ist dank einer automatischen Rampe auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität geeignet. Das Fahrzeug ist ca. 4 m lang, 2 m breit und 2,9 m hoch. Der EZ10 hat weder Lenkrad noch Gaspedal und fährt selbständig mit einer zugelassenen Maximalgeschwindigkeit von 10 bis zu 25 km/h. Die gefahrene Geschwindigkeit hängt dabei stets von den Voraussetzungen auf der Strecke ab. Sehr enge Straßen führen aus Sicherheitsaspekten zu einer Verringerung der Geschwindigkeit.
Der Bus kann sich ohne menschlichen Eingriff auf der vorher einprogrammierten Strecke bewegen und dank der verschiedenen verbauten Sensoren auf Personen, Tiere und andere Hindernisse mit leichtem Bremsen oder einem Not-Stopp reagieren. Um im Notfall eingreifen zu können und bei komplexen Kreuzungen die Weiterfahrt zu bestätigen, fährt stets eine Begleitperson im Fahrzeug mit. Diese kann über eine Fernsteuerung in den manuellen Fahrbetrieb wechseln und beispielsweise bei falsch geparkten Fahrzeugen auf der Fahrstrecke die Steuerung übernehmen. Die Funktion des selbständigen Ausweichens auf die Gegenfahrbahn, die für so ein Fahrmanöver nötig wäre, ist mit der aktuellen Technologie noch nicht möglich. An diese Grenze stoßen aktuell auch alle anderen automatisiert fahrenden Kleinbus-Modelle.
Zur sicheren Navigation auf zentimetergenauem Präzisionsniveau nutzt das System eine digitale Karte, LiDAR-Sensoren (optische Abstands- und Geschwindigkeitsmessung), Kameras, GPS-Positionsdaten und Odometrie-Schätzungen. Die Redundanzebenen der Sensoren und Steuereinheiten garantieren auch bei Ausfall einer der Komponenten maximale Sicherheit. Da die Technologie jedoch bei dichtem Schnee, schwerem Regen und Nebel noch an ihre Grenzen stößt – die Sensorik wird von den fliegenden „Partikeln“ gestört – wird der Betrieb bei entsprechenden Witterungsbedingungen eingeschränkt oder ausgesetzt. Der EZ10 ist mit einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie ausgestattet, die für bis zu neun Betriebsstunden je nach Streckenprofil und Einsatz der Klimaanlage/Heizung ausreichen kann.

www.easymile.com


Technische Daten

Motor und Batterie:
Elektrischer Antrieb, Batterie mit 31 kWh Kapazität und 9 h durchschnittlicher Betriebsdauer; 45 km/h Höchstgeschwindigkeit elektronisch auf 25km/h gedrosselt, max. 15% Steigung

Maße und Gewicht:
LxBxH 4,02 x 1,99 x 2,87 m,
2,0 t Leergewicht, 3,03 t zulässiges Gesamtgewicht

Sensorik und Ortung:
Lidar, Kamera, Radar, differenziertes GPS,
Inertial Measurement Unit (IMU), Odometrie